Geschosse auf die Entfernung in das Ziel zu bringen, das beschäftigt die Menschheit schon seit zehntausenden Jahren. Unsere Vorfahren wussten es zu schätzen, als sie dem Säbelzahntiger – statt mit einem Faustkeil bewaffnet – irgendwann mit Speer, Speerschleuder oder Pfeil und Bogen gegenübertreten konnten. Die Möglichkeit eines Distanzangriffs (ohne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) fand selbstverständlich nicht nur im Bereich der Jagd, sondern auch im kriegerischen bzw. militärischen Bereich schnell Verbreitung und Anwendung.

 

Die weitere Entwicklung wurde maßgeblich unter militärischen Aspekten vorangetrieben. Englischer Langbogen, Armbrust, Erfindung des Schwarzpulvers, Milimete-Geschütz, Steinbüchse, Luntenschloss, Hakenbüchse, Radschloss, Faustrohr (Pistole), Steinschloss, Perkussionszündung, Revolver, Hinterlader, Zündnadelgewehr, Metallpatrone, Mauser Modell 1871, Erfindung des NC-Pulvers, Selbstladegewehr stellen einige wenige Stationen aus dieser etwa 900-jährigen Entwicklung dar.

 

Die Herkunft des europäischen Schützenwesens ist in die Zeit des Mittelalters anzusiedeln. Es war aus Aspekten der Stadtverteidigung sinnvoll, der Bürgerschaft eine grundlegende Schießausbildung zukommen zu lassen, damit im Falle eines Angriffs die Stadtmauer besetzt und gehalten werden konnte. Erste Schützengilden gründeten sich im 13. Jahrhundert, sie waren für den Schutz der Stadt verantwortlich.

 

Das sportliche Schießen hat ebenfalls eine entsprechend lange Tradition, erste Schützenwettbewerbe sind für das 15. Jahrhundert bezeugt. Als moderner Sport (mit mehreren Disziplinen) konnte sich der Schießsport in Deutschland aber erst nach der Wiedergründung des Deutschen Schützenbundes und der Schaffung entsprechender Verbandsstrukturen in 1950er Jahren etablieren.

 

Ziel des sportlichen Schießens ist es, die Mitte der Schießscheibe möglichst regelmäßig ohne große Ausreißer zu treffen. Hierzu sind körperliche Eigenschaften (u.a. Haltekraft, Körperbeherrschung) und geistige Elemente (u.a. innere Ruhe, Kontrolle von ablenkenden Einflüssen) in Einklang zu bringen. Dies erfordert Training. Sportschießen ist ein Konzentrationssport. Jeder Schütze wird versuchen, sich einen – für ihn passenden - Schussablauf zu erarbeiten. Ziel ist es, diesen perfekten Ablauf so präzise wie möglich Schuss für Schuss zu wiederholen. Jeder Schuss stellt insofern einen Wettkampf für sich dar. Ablenkungen durch Dritte sollen ausgeblendet, gute wie schlechte Schüsse sollen keine großen Emotionen hervorrufen, keine Veränderung im Ablauf nach sich ziehen. Hierbei helfen Atemtechniken und Übungen zur Pulskontrolle. Das Sportschießen hat - bei entsprechender Hingabe - durchaus meditative Elemente.

 

Sportschießen ist eine der wenigen Sportarten, die nahezu ein Leben lang aktiv und erfolgreich ausgeübt werden kann. Körperliche Defizite können durch gezielte Übungen ausgeglichen oder aber - sofern dies alterstechnisch noch nicht oder nicht mehr möglich ist - sehr gut kompensiert werden (Stichwort Auflageschießen).

 

Unsere Schusswaffen stellen für uns Sportgeräte dar, der Schießsport ist ein umfassendes und faszinierendes Hobby, das noch geeignet ist, durch weitere attraktive Hobbies ergänzt bzw. vervollständigt zu werden (Wiederladen, sog. „Reenactment“).

© Dirk Rades, www.dirkusgermany.de